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Der Apfelbaum

Einst stand ein großer Apfelbaum auf einer grünen Wiese

Und im Schatten seiner Zweige war ein kleines Haus.

Und in diesem Haus, da lebte ein Mädchen namens Liese,

Blickte aus dem Fenster und sah gar traurig aus.














Da sprach der große Baum:

»Was ist denn los, mein Kind?«

»Ich hatte einen schlimmen Traum«,

Sprach Liese, »von einem großen Wind!«


»Ein Sturm war es, der fegte,

Und brach dich ganz entzwei,

Und als er sich dann legte,

War’s mit dir vorbei.«


Der Apfelbaum verstand und neigte

Einen Ast ganz nah zum Kind,

Das fröhlich auf den Apfel zeigte,

Und ihn an sich nahm geschwind.


»In diesem Apfel ist ein Stern,

Und in jeder Kammer ist ein Kern.

Nimm und lass ihn einen Winter ruh’n,

Dann setz’ ihn in die Erde und sieh, was er wird tun.«


Das Mädchen tat, wie ihm geraten,

Nahm einen Kern und gab gut acht,

Und im Frühjahr, dann im Garten,

Pflanzte es ihn ein, ganz sacht.


Und nach ein paar Wochen, viel Regen und Sonnenlicht

Da kam Liese zurück an jenen Ort

Und sah, wie etwas Grünes die Erde durchbricht.

Der kleine Kern war jedoch fort.


»Siehst du?«, sprach da der große Apfelbaum.

»Selbst wenn ich breche, wenn es Sturm wird geben,

Wenn ich nicht mehr wäre, wie in deinem Traum,

In jedem kleinen Kern steckt neues Leben!

Und nun schließe deine Augen: Sag, siehst du mich?«

Das Mädchen tat’s und war erstaunt.

»Ja, tatsächlich! In mir drinnen, da seh' ich dich!«

Und hört wie Apfelbaum ganz leise raunt:

»Was auch immer wird geschehen,

Du wirst mich in dir drinnen und in meinen Früchten sehen!«


by Claudia Krupensky

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